Berichte Anlässe 2020

28. August 2020 - Besuch Imkerei Villiger Döttingen

Von Bienenköniginnen, der längste Tag im Jahr und Honig, das nur ein Nischenprodukt ist!

13 Vertreterinnen des Frauenbund Kleindöttingen besuchten am 28. August die Imkerei Villiger in Döttingen. Das Wetter versprach nichts Gutes, aber das hielt einige gestandenen Frauen nicht davon ab, mit dem Fahrrad über die Brücke zu fahren. Oberhalb Döttingen, inmitten von Feldern und Wäldern mit Blick über den Jura und den Schwarzwald begrüsste Herr Christoph Villiger die interessierte, motivierte Frauengruppe. Da viele Anlässe in diesem Vereinsjahr der aktuellen Situation zum Opfer gefallen waren, freuten sich alle sehr darauf, sich wieder zu treffen, um Neues kennenzulernen und sich auch austauschen zu können.

Die Tische und Bänke waren schön dekoriert und der Regen prasselte auf das Welldach. Dies tat der guten Laune keinen Abbruch, schliesslich erwarteten alle voller Vorfreude einen informativen, interessanten Nachmittag. Der Abstand konnte jederzeit gewährleistet werden und alle Frauen trugen Masken ohne Aufforderung.

Man spürte schon nach wenigen Erklärungen: Hier war ein Vollblut-Imker am Werk. Christoph Villiger zog die Frauen mit seinen Ausführungen in den Bann. Er verfiel aber nicht in einen Vortrags-Monolog (auch wenn dieser sicher nicht langweilig gewesen wäre) sondern er bezog die Anwesenden mit ein. Er stellte Fragen, liess die Frauen sich Gedanken zu machen und liess sie ihre Antworten und auch ihre Fragen zu äussern.

So erfuhren die Frauen mit deutlichem Staunen wie intelligent diese fantastischen Wesen sind. Im Bienenhäuschen der klassischen Art zeigte Christoph Villiger den Aufbau eines Bienenstocks und holte die einzelnen Wabenfragmente aus dem Stock. Da das Wetter nicht gerade zum Fliegen animierte, verbrachten viele der Insekten die Zeit im Bienenstock. Ohne sich sorgen zu müssen, von den fleissigen Arbeiterinnen gestochen zu werden, konnten die die Frauen die emsigen Bienen in nächster Nähe beobachten und sogar die Königin liess sich orten. Einige Frauen trauten sich die Hand auf die Bienenkolonie zu legen, um die Weichheit und die Wärme zu spüren. Welch ein Erlebnis.

Es waren unglaublich viele Informationen, die die Schreiberin gar nicht mehr alle detailgetreu hier niederschreiben kann. Doch eines machte einen besonders grossen Eindruck: Die Königin weiss bei ihrem Hochzeitsflug, wohin sie fliegen muss, ohne diese Reise jemals vorher getestet zu haben. Im Zurzibiet befinden sich zwei Hotspots, die von den Königinnen angepeilt werden, um sich im Flug von bis zu 15 Männchen aus anderen Bienenkolonien der Region begatten zu lassen.  So erfuhren die Anwesenden, dass nur aus befruchteten Eiern Weibchen werden. Aus Unbefruchteten schlüpfen die Männchen. Bis zu 5 Königinnen werden herangezogen, um jederzeit eine neue «Chefin» einsetzen zu können, falls die Amtierende ausfallen würde. Einer dieser «Hochzeitslokalitäten» befindet sich in Leibstadt! Ein weiterer wichtiger Punkt: Das Bienenjahr hat am 21. Juni seinen Höhepunkt. Bis zum längsten Tag im Jahr kommen die Bienen auf Höchstleistung und könnten bei idealem Wetter (Wind, Sonnenstand, Luftfeuchtigkeit) bis zu 3 kg Nektar sammeln. Wer auch immer diesen emsigen Tierchen all ihr Wissen zugeführt hat, bleibt wohl für immer unbekannt, erhöht aber die Anerkennung und das Bewusstsein der Wichtigkeit, eine solche Tierart mit möglichst allen Mitteln zu schützen, zu erhalten und ihnen die Arbeit zu erleichtern.

Nach all diesen Informationen blieb eine sehr wichtige Frage: Warum ist der Honig nur ein Nischenprodukt? Hier spielen die Wetterbedingungen eine grosse Rolle. Ausserdem ist das Bienenvolk verschiedenen Gefahren ausgesetzt: zu wenig Biodiversität, lange Flüge bis zur Fruchtblüte, Steinwüsten als Gärten und zu viele bienenfremde Bepflanzungen bei Häusern. Für den Imker hat die Gesundheit des Bienenvolks oberste Priorität, weil es bei einem schwachen Glied für einen fremden Bienenschwarm ein Leichtes ist, einen Bienenstock zu plündern und die ansässigen Bienen alle zu töten.

 Die Verarbeitung von Pollen für Allergiker, Pflegeprodukte wie Körper- und Haarseife, Balsam für die Haut, Lippenpomade, Handcrème und natürlich Wabenhonig und zu guter Letzt Kerzenwachs in allen Variationen ist der Hauptvermarktungsanteil. Die Pflegeprodukte werden mit einem Chemiker und Corinne Villiger, Ehefrau von Christoph, die ebenfalls Imkerin ist, genauestens unter die Lupe genommen wurden, um ein naturreines Endresultat zu erreichen.

Und jetzt war der Zeitpunkt gekommen, dass die Frauen nun endlich den Verkaufswagen begutachten durften, um einige Schätze zu erwerben. Wer weiss, wie viele sich nun in den folgenden Wochen mit einer Seife waschen werden und danach fein nach Bienenwachs duften!

Es hätte noch viele Fragen gegeben, die gestellt werden wollten, aber als der Apéro mit selbstgebackenem Zopf und Gemüsestängel mit Dip verspeist war, wurde es Zeit für die Heimkehr.

Übrigens, wer im nächsten Frühjahr zur Kastanienblüte einen Transporter mit vielen aufgeladenen Bienenkästen unterwegs ins Tessin entdeckt, kann sich darauf freuen, dass es 2021 wieder Kastanienhonig geben wird!

Bericht: Patricia Dal Monte

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